Der Spendenaufruf der Mozart-Gesellschaft Wiesbaden
Interview mit Wolfgang Hainer zum Spendenaufruf
Vor einem Konzert im Thiersch-SaalDie Mozart-Gesellschaft Wiesbaden hat einen "dringenden Spendenaufruf" veröffentlicht, Herr Hainer. Worum geht es? Wofür wird Geld benötigt?
Wolfgang Hainer: Die Mozart-Gesellschaft Wiesbaden finanziert sich seit ihrer Gründung ausschließlich durch Konzerteinnahmen, Sponsorengelder und Spenden. Das führt dazu, dass schon ein einziges schlechter verkauftes Konzert zu einer Finanzlücke führen kann...
Was jetzt der Fall ist?
Ja, die Abonnementsverkäufe in diesem Herbst lagen deutlich unter unseren Erwartungen und dann hat sich das Eröffnungskonzert am 25. September auch nicht so verkauft wie es zur Kostendeckung nötig gewesen wäre. Das hat uns in eine finanziell schwierige Situation gebracht.
Aber diese Situation hatten Sie in den vergangenen Jahren doch auch schon?
Ja und nein. Durch eine großzügige Spende hatten wir in den letzten Jahren finanzielle Reserven, die nun aber aufgebraucht sind und auf die wir uns nicht mehr stützen können. Außerdem ist der Wettbewerb extrem hart und das Kurhaus mit seinen 1.300 Plätzen zu füllen wird immer schwerer.
Sie haben das ja vorher erkannt. Was haben Sie getan, um gegenzusteuern?
Wir haben immer gewusst, dass eine solche Situation eintreten kann. Zum einen haben wir uns intensiv und auch durchaus erfolgreich um Sponsoren bemüht: Mit der Union Investment, der UBS, der Usedom Marketing GmbH und seit jüngstem der Eckelmann Aktiengesellschaft haben wir starke Partner an unserer Seite. Wir haben Anfang des Jahres stark in unseren Vertrieb investiert, haben den Ticketverkauf über AdTicket aufgebaut, waren mit Ständen in der Innenstadt präsent, haben unsere Webseite attraktiver gemacht und mit den "MozartNews" eine Kommunikations-Plattform, die ebenfalls zur Bekanntheit beiträgt und den Konzerten eine sehr emotionale Note gibt.
Das alles spart aber noch keine Kosten. Was haben Sie da getan?
Das ist der zweite Block: Wir haben trotz allem die Marketingkosten auf 50% halbiert und sind aktuell dabei, alle anderen Kostenblöcke zu durchforsten: Bei den Fixkosten für das Kurhaus, das uns an vielen Stellen schon sehr entgegenkommt, und für Orchester und Solisten ist kaum mehr etwas einzusparen. Und in unserer Geschäftsstelle arbeiten wir mit minimaler Besetzung. Trotzdem gehört alles auf den Prüfstand.
Welchen Fehlbetrag müssen Sie denn abdecken?
Es geht um einen höheren fünfstelligen Betrag. Dieser wird benötigt, um die fehlenden Einnahmen, die ich nannte, abzudecken und um eine sichere Basis für die Verpflichtungen für das nächste Konzertjahr zu haben. Um es an einem Beispiel durchzurechnen: Wenn jedes Mitglied Euro 200.- spendet, wäre das Konzertprogramm für die nächsten Jahre gesichert. Da sicher nicht jeder das kann, würden wir uns freuen, wenn die, die es sich leisten können, auch einen höheren Betrag beisteuern.
Wie kann der Spender sicher sein, dass das nicht ein Fass ohne Boden ist und er nicht nächstes Jahr schon wieder um eine weitere Spende gebeten wird?
Das muss auf alle Fälle vermieden werden. Wir werden das dadurch erreichen, dass wir Konzert-Verpflichtungen nur noch dann eingehen, wenn deren Finanzierung bereits im Vorfeld gesichert ist - durch Sponsoren, Abonnenten und anteilige Rücklagen. Wir müssen die äußerst volatile Abhängigkeit vom Einzelverkauf verringern. Ansonsten tragen wir ein Risiko, das nicht mehr kalkulierbar ist.
Wird sich am Programmkonzept irgendetwas ändern?
Das kann ich noch nicht abschließend beantworten. Wir haben uns in einer langen Vorstandssitzung ausführlich mit dieser Frage befasst. Derzeit spielen wir mehrere Varianten durch mit dem klaren Ziel, die Orchesterkonzerte und das volle Programm im Kurhaus zu erhalten. Das sind wir unseren treuen Mitgliedern, Abonnenten und Konzertbesuchern schuldig. Wir sind auch sicher, dass wir das schaffen und ein fester Bestandteil des Musiklebens in Wiesbaden mit attraktiven Konzertangeboten bleiben.

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